Timm Rautert

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Timm Rautert
Portrait Nr. 1, 2000
© Timm Rautert

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Timm Rautert
Portrait Nr. 4, 2000
© Timm Rautert

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Timm Rautert
Portrait Nr. 7, 2000
© Timm Rautert

*1941 in Tuchel, Westpreußen | West Prussia; lebt | lives in Essen und | and Berlin

 

Die Fotografien von Timm Rautert, einem der einflussreichsten Professoren für künstlerische Fotografie der letzten Jahrzehnte, hinterfragen die Position innerhalb einer Arbeitswelt, innerhalb derer der Künstler auch seinen Beruf und sein eigenes Medium situiert. Mit seiner medienreflexiven Herangehensweise macht er die gängigen Koordinaten des Fotografierens sichtbar, und indem er sichtbar macht, was dazu da ist, verborgen zu wirken, dekonstruiert er die mit der Fotografie verbundene Ästhetik der Transparenz.

 

Das Porträt ist dabei ein zentrales Sujet im komplexen Werk des Essener Fotografen Timm Rautert. Es ist vor allem der arbeitende Mensch, für den er sich immer wieder interessiert – seien es nun Künstler in ihrem Atelier oder Industriearbeiter bei der Montage. Wenn Rautert fasziniert ist von High-Tech-Produktionsstätten wie Porsche in Zuffenhausen/Leipzig und in den Jahren 1986 bis 2006 mehrfach Bilderserien von den Luxuskarossen anfertigt, fehlt nie der aufmerksame Blick auf die menschliche Tätigkeit, die hier im Laufe der Jahre schwindet: „Ich kann nicht fotografieren, ohne den Menschen mitzudenken“, sagt der Fotograf, und dies gilt eben auch dann, wenn der Mensch wegrationalisiert wurde, also abwesend ist.

 

In seiner 2000 entstandenen Reihe mit dem allgemeinen Titel „Portraits“ steht der Mensch freilich im Fokus. Gerade deshalb drängt sich in Anbetracht der hier jeweils in Handlungen begriffenen Personen viel eher die Frage auf: Gibt es eine Identität jenseits des Berufs?

 

Genau dies zeigt er in der Auseinandersetzung mit den Brokern der Frankfurter Börse, die er in dem zwölf-teiligen Block zusammengefasst hat. In den grobkörnigen Fotos scheinen die Personen ihre Individualität verloren zu haben: Ist der Mensch in der globalen Ökonomie nicht mehr als seine Funktion?

 

SG

Ausstellungsort

Kunsthaus