Pepa Hristova

01

Pepa Hristova aus der Serie Sworn Virgins, Albania, 2008, 2010
Qamile #1, Albania 2008
© Pepa Hristova

04

Pepa Hristova
Landscape #7, Albania · 2010
© Pepa Hristova

03

Pepa Hristova aus der Serie Sworn Virgins, Albania, 2008, 2010
Qamile #2, Albania 2010
© Pepa Hristova

*1977 in Sevlievo, Bulgarien, lebt in Hamburg

 

Die gebürtige Bulgarin Pepa Hristova, die seit 1997 in Deutschland lebt, reiste 2008 und 2010 in den albanischen Teil des Prokletije-Gebirges, um sich dort dem in Europa einzigartigen kulturellen Phänomen der Burrneshas oder Sworn Virgins zu widmen. Damit werden Frauen bezeichnet, die, wenn Vater oder Bruder als Oberhaupt der Familie nicht mehr zur Verfügung stehen – die im Kanun verankerte Blutrache spielt hier etwa eine Rolle –, deren Aufgaben übernehmen. Um anerkannt zu werden, müssen sie Jungfräulichkeit schwören, auf Partnerschaft und eigene Familiengründung verzichten. Trotz aller persönlichen Konsequenzen entscheiden sich gelegentlich Frauen aus freien Stücken, also ohne familiäre Gründe, für das Leben einer Burrnesha, lässt die männliche Rolle in der Gesellschaft im Vergleich zur weiblichen doch wesentlich mehr Freiheiten zu. Was an den von Pepa Hristova porträtierten Burnesshas so tief beeindruckt, aber gleichzeitig auch irritiert, ist deren kontinuierliche Wandlung zum Maskulinen. Diese Transformation findet offenbar durch die Übernahme des tradierten männlichen Verhaltenskodexes statt, und die schwere körperliche Arbeit, der die Frauen nachkommen müssen, tut wohl ihr Übriges. Um diesen Jahre dauernden Veränderungsprozess zu veranschaulichen, hat Hristova in ihre Serien, die sie jeweils einer Person widmet, vorgefundene Aufnahmen aus deren Kindheit und Jugend integriert. Die Frage nach der Konstruktion und Entwicklung von Identität wird an diesem Beispiel in aller Komplexität deutlich. Die Burrneshas, von denen nur noch wenige zu finden sind, verkörpern auf sehr individuelle und ungewöhnliche Art und Weise eine Gesellschaft, die in familiären Strukturen und entsprechenden kulturellen und sozialen Traditionen fest verankert ist. Dass eine solch spezifische Tradition und Lebensweise so lange Bestand haben konnte, ist vermutlich auch der Abgeschiedenheit der gebirgigen Region im Grenzgebiet zwischen Kosovo, Montenegro und Albanien geschuldet.

 

www.pepahristova.com

Ausstellungsort

Kunsthaus