Jerry L. Thompson

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Jerry L. Thompson
Williamsburg, Music Hall Stage Door, 05.06.2013
© Jerry L. Thompson

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Jerry L. Thompson
Berry St., Williamsburg, (Jessica with Vietnam Tee Shirt), 26.05.2014
© Jerry L. Thompson

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Jerry L. Thompson
N. 6th off Belford towards Driggs (Dappled Sunlight), 27.06.2013
© Jerry L. Thompson

*1945, Texas Studium an der University of Texas, Austin; der John Hopkins University, Baltimore; an der Yale University, New Haven

 

Als Jerry L. Thompson 1972 begann, als Assistent für Walker Evans zu arbeiten, sollte dies seine künstlerisch-fotografische Entwicklung nachhaltig beeinflussen und immer wieder zu bildnerischen Fragestellungen auffordern. In dieser frühen Zeit hat Thompson bereits erste Schwarzweißporträts von Jugendlichen im New Yorker Stadtteil Coney Island während der Nachtstunden aufgenommen. Was den Fotografen seinerzeit an der Szenerie besonders faszinierte, war die Lust der jungen Männer und Frauen, vor der Kamera zu posieren, ihre Kraft, Energie und auch Zartheit. Das besondere Selbstverständnis, das vor allem in dieser Lebensphase vorherrscht, hat Thompson Jahrzehnte später – wenn auch unter anderen Vorzeichen – in Williamsburg, Brooklyn, New York, wiedergefunden. So fing er im Sommer 2013 an, Farbporträts vornehmlich von Mädchen und jungen Frauen mit auffallenden Tattoos, Piercings, Haarfarben, Make-ups zu erstellen. Geschickt hat Thompson in seinem Bildkompositionen vorgefundene Hintergründe eingesetzt, die, etwa versehen mit Grafitti und Resten von allerlei Plakatierung, mit dem Körperschmuck der Dargestellten visuell korrespondieren. Kleiderwahl und vor allem die Tätowierungen berichten von individuell-eigenwilligem Geschmack und von dem Willen, sich eine „zweite Haut“ zuzulegen, die von lebenslanger Dauer sein wird. Ausgewählte Accessoires verweisen in ihrer Zeichenhaftigkeit auch auf bestimmte lebensanschauliche Momente.

„Bei einem Porträt geht es um mehr als nur um die dargestellte Person an sich, wichtig sind auch die Situation, das Licht, die Reaktion, der Moment. Deswegen gehe ich bei meiner Auswahl nicht strategisch vor. Wenn überhaupt, besteht meine Strategie höchstens darin, durch die Straßen zu gehen und Passanten aufzunehmen, und zwar genau so, wie ich sie sehe. Diejenigen, deren öffentliche Selbstdarstellung – an dem Ort und in dem Licht, in dem ich sie sehe – ein Bild verspricht, das zum Denken anregt, wähle ich dann aus“, so der Fotograf über seine Arbeitsweise.

Ausstellungsort

Kunsthalle Nürnberg