Erik Kessels

01

Erik Kessels
Einwanderer, gefundene Fotografien, o.J.
© Erik Kessels

02

Erik Kessels
Einwanderer, gefundene Fotografien
© Erik Kessels

*1966 in Roermond, lebt in Amsterdam

 

Seit 2001 setzt sich Erik Kessels innerhalb seiner künstlerischen Arbeit nahezu ausschließlich mit dem Bereich der Amateurfotografie auseinander, die er in privaten Fotoalben auf Flohmärkten, Sammlerbörsen und im Internet findet, um diese in Rauminstallationen oder auch in Buchprojekten ästhetisch zu übersetzen und in ihren sozialen und ästhetischen Qualitäten zu hinterfragen. Im Vergleich zu der Vielzahl der digitalen Porträts, die wir im Handy oder im Internet sammeln, verliert das Fotoalbum als Kompendium der privaten Amateur-Bildersammlungen analoger Fotoabzüge mehr und mehr an Bedeutung. Die hier ablesbaren Aspekte einer privaten Anwendung der Fotografie und ihre jeweilige Ästhetik oder auch Nicht-Ästhetik erscheinen damit auch historisch als interessanter Ausgangpunkt der Arbeit von Erik Kessels.

 

Unter dem Titel Einwanderer realisiert der niederländische Künstler im Kunstmuseum Bonn mit Blick auf einen Aspekt der deutschen und dabei auch internationalen Geschichte der Industrieländer eine Rauminstallation mit einer Künstlertapete. Sie zeigt eine große Anzahl von Porträts aus seiner Sammlung privater Fotoalben mit Immigranten der ersten Generation in Deutschland, die in der Installation stark vergrößert erscheinen. Ein Thema, das angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte von besonderer Bedeutung ist. „In der Installation“ – beschreibt Erik Kessels – „entsteht aus Hunder­ten einzelner Passbilder ein Mosaik, dessen visuelle Wirkung an sich schon sehr stark ist. Rein ästhetisch betrachtet, stellen die Fotos einen spannenden Rückblick auf das Gesicht einer Generation dar, die heute noch eine große Rolle spielt. (…) Die Einwandererthematik ist heute nach wie vor relevant, vielleicht sogar relevanter als je zuvor. Ziel der Installation ist es, eine starke Reaktion und Auseinandersetzung mit dem Thema bei den Besuchern zu bewirken. Ich zeige die Gesichter all dieser Einwanderer und versuche dadurch, das Augenmerk von all den Zahlen, mit denen uns die Medien bombardieren, abzuziehen und auf die menschliche Seite der Geschichte hinzulenken.“

 

BHJ

Ausstellungsort

Kunsthaus