Charles Fréger

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Charles Fréger
The Karrigel of Guéméné-sur-Scorff, Everyday Costume, Pays Pourlet and Pontivy 1880–1900, 2011–2014
© Charles Fréger

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Charles Fréger
Boiler Mechanic, 2002–2003
© Charles Fréger

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Charles Fréger
Florist, 2002–2003
© Charles Fréger

*1975 in Bourges, lebt in Rouen, Frankreich

 

Charles Frégers künstlerisches Hauptinteresse gilt unterschiedlichen Kleidungsformen und ihren Funktionen, die er in Beziehung zu den Personen setzt, die sie tragen, und zu den speziellen Anlässen, für die sie geschaffen wurden. So finden sich in seinem Œuvre Porträtreihen über Uniformen von Soldaten, Polizisten oder Matrosen, über Trikots von Turnerinnen, Balletttänzerinnen oder Ringern, über Theaterkostüme. Kleidungen für bestimmte Riten und Feste nimmt er weltweit ebenso in den Fokus. Die 2011–2014 für die Serie Bretonnes fotografierten Mädchen und Frauen vollziehen eine Zeitreise in die Vergangenheit. Der Adaption traditioneller Trachten der Bretagne gilt ihre Vorliebe. Ihre aufwendig gefertigten Kleidungsstücke und vor allem die auffälligen Kopfbedeckungen, sogenannte Coiffe, tragen sie während regelmäßig stattfindender Treffen. Die Verwandlung geht so weit, dass die Teilnehmerinnen währenddessen andere Namen tragen und gar eine eigens zu diesen Anlässen entwickelte Sprache sprechen. Die bretonische Tradition als identifikatorischer Bezug, vielleicht die Sehnsucht nach einer anderen, vormodernen Gesellschaftsordnung sowie der Wunsch der Zugehörigkeit zu einer Gruppe könnten Beweggründe für die jungen Frauen sein, sich mit solcher Hingabe ihrem Gegenstand zu widmen. Fréger hat die Gelegenheit ihrer Zusammenkünfte genutzt und fotografische Porträts von fein-malerischer Wirkung erstellt. Den Hintergrundfond bildet ein durchscheinender Gazestoff, vor dem die jeweiligen Personen platziert sind. Unwirklich-entrückt erscheint die Szenerie hinter dem Stoff, doch tritt umso plastischer die Hauptfigur mit ihrer beeindruckenden Tracht hervor. Auch bei der Arbeit erforderliche Monturen untersucht der Künstler eingehend, wie die Serie Bleus de Travail, 2002–2003, über junge Auszubildende in Berufen wie Gärtner, Schreiner, Schlosser, Steinmetz oder Metzger veranschaulicht. Doch täuschen die professionellen Schutzmonturen nicht darüber hinweg, dass es sich um Teenager handelt, die am Beginn eines neuen Lebensabschnittes stehen und noch mit den ungewohnten Aufgaben fremdeln.

 

www.charlesfreger.com

Ausstellungsort

Kunsthalle Nürnberg