Annette Kelm

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Annette Kelm
American Portrait, 2007
© Annette Kelm
Courtesy of the artist and Johann König, Berlin

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Annette Kelm
Judith, old Masters, 2004
© Annette Kelm
Courtesy of the artist and Johann König, Berlin

*1975 in Stuttgart, lebt in Berlin

 

In beinahe analytischer, konzeptueller Manier untersucht die Berliner Annette Kelm Fotografin Bild-Traditionen, wobei das Porträt eine besondere Rolle spielt, wie sie betont: „Das Porträt interessiert mich als Genre der Fotografie. Die abgebildete Person spielt eine eher untergeordnete Rolle. Ich versuche in meiner Arbeit, alle Genres der Fotografie zu verwenden.“
Auf den ersten Blick scheinen ihre Bilder dabei einer klassischen Darstellungsweise verhaftet – allerdings kaum psychologisch aufgeladen. Dem entspricht ihr Credo: „Ich suche nach Dingen, die so weitgehend wie möglich entleert sind.“ An einigen Bild-Elementen, wie z.B. geklebten Farbflächen oder Bildtapeten im Hintergrund, erkennt man spätestens jedoch die kritische Reflexion der Porträt-Geschichte und der fotografischen Handlung. Die gezeigte Person wird dabei zweitrangig: „Es geht mir nicht darum, die Persönlichkeit oder den Charakter der ge¬zeigten Person abzubilden. Gut und gelun¬gen finde ich ein Bild, wenn sich die Person quasi im Bild auflöst und sich mit dem Hintergrund und den anderen Bildern verbindet.“
Ein schönes Beispiel hierfür ist das „American Portrait“, das unsere Ausstellung und deren Marketing als ein Key icon begleitet. Kelm hat sich zu diesem Bild wie folgt geäußert: „Bei dem Bild American Portrait wollte ich Davids Porträt an das Format des etwas zu kleinen grünen Fotohintergrunds an¬passen. Er sitzt auf einem Stuhl, den er mit seinen Hosenbeinen verbirgt. Im Westen der USA gab es einen typischen Bildaus¬schnitt, der „American Portrait“ genannt wurde. Der reichte so weit nach unten, dass man den Revolver sehen konnte. Anstatt eines Revolvers hat David aber einen auf¬gespannten Regenschirm in der Hand.“
Anders als dieses eine Beispiel suggeriert, arbeitet Kelm nicht immer, aber doch vielfach auch mit Bild-Sequenzen, so dass mehrteilige Bilder entstehen, die das latent Filmische des Fotografischen bzw. dessen immanente Zeitlichkeit verdeutlichen.

SG

Ausstellungsort

Kunsthaus