Albrecht Tübke

Dalliendorf, aus der Serie Dalliendorf, 1996

Albrecht Tübke
Aus der Serie Dalliendorf, 1996
© Albrecht Tübke

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Albrecht Tübke
Aus der Serie Twins, 2001
© Albrecht Tübke

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Albrecht Tübke
Aus der Serie Citizens, London, 2001
© Albrecht Tübke

*1971 in Leipzig, Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig und der Metropolitan University, London

 

Der in Italien und Deutschland lebende Fotograf Albrecht Tübke befasst sich bereits seit seinem Studium mit dem dokumentarischen Porträt. In seinen Porträtprojekten verfolgt er das Prinzip der vergleichenden Serie. Die ausgearbeiteten Bilder entstehen im gleichen Abbildungsmaßstab, mit gleicher Perspektive und mit annähernd homogener Lichtsituation. Obzwar jede Aufnahme auch als Einzelbild Gültigkeit haben soll, so entsteht durch die Bildgruppen ein größerer und vielschichtiger Kontext.

Albrecht Tübke bearbeitet in seinem fotografischen Werk verschiedene Themen. Dies können ausgewählte Orte sein, ebenso Arbeitsstätten oder Lebensformen. Mit einer Auswahl aus der Serie Dalliendorf, 1999, ist der Ort der Kindheit des Fotografen angesprochen. Tübke hat ehemalige Nachbarn und Freunde vor die Kamera gebeten. In aller Sachlichkeit ist Dalliendorf bildgewordene Abschiednahme von einem Lebensabschnitt, einem Ort und seinen Bewohnern.

Die Arbeiter, die Tübke 2008 in den Marmorsteinbrüchen von Carrara fotografiert hat, beeindrucken durch körperliche Präsenz und strahlen Selbstbewusstsein aus. Ihre Arbeit ist zwar hart, dennoch fühlen sie sich durch die Berühmtheit des Steins, mit dem sie täglich umgehen, privilegiert. Carrara-Marmor bevorzugten bereits Künstler wie Michelangelo oder Canova, er ziert den Dom von Florenz, von Pisa, von Rom. So verweist die Dokumentation Caves, in die Tübke panoramatische Ansichten des Steinbruchs sowie Details von vorgefundenen Arbeitsgeräten einbezieht, zugleich auf einen für die Kunst einflussreichen europäischen Kulturraum.

Mit der Arbeit über Zwillinge, Twins, der Albrecht Tübke zwischen 2001 und 2008 nachgegangen ist, ist ein Phänomen angesprochen, bei welchem per se Fragen nach Individualität und Persönlichkeitsentwicklung gestellt werden. Der Behauptung, jeder Mensch sei einzigartig, scheinen Zwillinge auf den ersten Blick zu widersprechen und unser Streben nach Einmaligkeit zu unterlaufen– doch eben nur auf den ersten Blick. Das in der Fotografie oft besprochene vergleichende Sehen wird auf besondere Art auf die Probe gestellt.

www.tuebke.info

Ausstellungsort

Kunsthalle Nürnberg